Schonungsloser Witz
Unendlich viele Sterne zieren den Umschlag des Comic-Bandes «Der Sinn». Grosse und kleine Punkte – verstreut auf schwarzem Grund liegen sie da, blinken und glitzern, eine ideale Einstimmung für die darauf folgenden Inhaltsseiten. Der Leser taucht in einen schwarz-weiss gezeichneten Bildergeschichten-Kosmos ein, in dem er sich vermutlich streckenweise verlieren, aber eine ebenso überraschende Entdeckungsreise antreten wird. Lost in space – denn die frei schwebenden Geschichten zielen selten auf Erkenntnisschwere ab, breiten indes umso mehr anregend neue Gedanken aus, in die man sich nur allzu gerne verliert.
Man ahnt es schon – «Der Sinn» des Zürcher Zeichners Andy Fischli ist natürlich kein Ratgeberbuch, mit Sprechblasen angereichert und allerhand Anleitungen zur sinnfrohen Glücksfindung. Oder wäre etwa sonst dem literarischen Dauer-Melancholiker Hamlet eine umfangreiche Geschichte beschieden? Hamlet ist, wenn man so will, ein gelungenes Beispiel eines «Recaps» wie sie auf Internet-Foren sehr beliebt sind: Der Zeichner/Autor fasst seine persönliche Sichtweise des Inhalts ironisch-witzig zusammen. Kein abgeleiertes Themen-Recycling, sondern ein mit bissigen Kommentaren versehenes Nacherzählen, wobei Fischlis Hamlet letztlich keine Worte mehr braucht und lediglich in der Synopsis das Wichtigste festgehalten ist. Das Shakespear’sche Welttheater rückt damit als gezeichnetes Figurenkabinett kraftvoller in den Vordergrund.






