Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher

Franz Dobler und Andreas Niedermann

Zwei große deutschsprachige Autoren lasen am 11.5.2010 im Kultbau in St.Gallen.

Dobler Niedermann

Franz Dobler, Andreas Niedermann und der Schweizer Autor Florian Vetsch.

Franz Dobler

Franz Dobler hat mit seinen Gedichten die deutschsprachige Lyrik rehabilitiert, meint nicht nur der Deutschlandfunk. Dobler ist für mich einer der großen Autoren im deutschsprachigen Raum – man muss ihn hören, selbst man kein Freund von literarischen Lesungen ist.

Andreas Niedermann
Short Stories und Poetry

„Wer so oft gescheitert ist, macht einen Plan B. Dieser Plan B war ein täglich geführtes Logbuch. Kein Tagebuch im eigentlichen Sinne, sondern Aufzeichnungen jeder Art sollten darin Platz finden. Und das geschah dann auch.

Im vorliegenden Buch ist einiges versammelt, was es an Textformen gibt: Tagebuch, Story, Gedicht, Haiku, Glosse, Essay, viel Polemik, Tirade, Suada, Beschimpfung, Lobhudelei, Schmähung, Kritik, Kolumne, Kabarett, Romananfänge, Exposées und Drehbuchszenen. „Quatsch mit Henk und Hass vom Fass“. Verwerfliches und Banales. Ja, auch dies. Vieles ging daneben. Einiges, wie ich in der Durchsicht sehen konnte, misslang, aber anderes traf und saß, wie auch die Kommentare zum Blog vermuten ließen.“

Newsletter Libelle Verlag

Diesen Newsletter vom Libelle Verlag Mai 2010 wollte ich Euch nicht vorenthalten…

Dieser 22. Newsletter erkundet Ihre Neugier an mehrheitlich verregneten Maientagen und findet unterm *) -Sternchen den Namen Nelly Dix

Damen und Herren vom Stamme des blätterwendenden Lesens,
Freundinnen und Kollegen …

1. Ein üppiges Wochenende rückt an. Wollten Sie nicht immer schon mal zur Obstblüte an den Bodensee? Am Samstag, 15. Mai, feiert die vortreffliche Buchhandlung Wälischmiller in Markdorf ihr 33. Jahr. Auf Einladung von Susanne Scheffel steigt um 17 Uhr die vermutlich launige Festrede des Libelle-Verlegers. Danach könnten wir alle beim literarischen Ratespiel von Angelika Overath und Manfred Koch mitmachen.

2. Wer die Frühlingsblüte partout nur auf gedruckten Fotos anschauen will, bestelle sich Arno Borsts immer noch druckfrisch duftende »Mönche am Bodensee« und mache eine Rundreise im Kopf: Abtei Mehrerau (S. 11), Kloster Birnau (S. 16), Münster Reichenau (S. 20) …

3. Alle 31 Jahre machen wir ein Kochbuch. In diesem Mai zum 100. Geburtstag der Malerin und Illustratorin Elisabeth Mühlenweg, die in Linz aufwuchs, in Wien studierte und ab 1935 mit Fritz Mühlenweg in Allensbach lebte. Ein Faksimile jenes Kochbuchs, das sie 1941 in ihrer schönen Handschrift schrieb und mit Aquarellen schmückte: als Hochzeitsgeschenk für eine Freundin. (Die vorwiegend österreichischen Rezepte natürlich auch in lesbarer Umschrift, mit Glossar und Register…).

4. Unsere Vorschau ist soeben gedruckt, wird bald verschickt, kann hier (pdf, 380 kB) – oder auf unserer Website abgeholt werden. Auf der zweiten Seite grüßen wir speziell Hartmut von Hentig; sapienti sat.

5. Michel Krüger bekommt eine illustre Gelegenheit, seine Erfahrungen zum Thema Trinken, Schreiben und Lesen zu erweitern: wenn ihm der Joseph-Breitbach-Preis für sein Lebenswerk überreicht wird. Salut! Lieferbar bleibt sein bisheriges Resümee: »Literatur und Alkohol«.

6. Wir haben Ilse Helbichs autobiographischen Roman »Schwalbenschrift«, an dem schräg vorbeizuschauen sich die Taschenbuchverlage in den letzten Jahren übten, wieder nachgedruckt. Das sorgsam leicht erzählte, nachdenkliche Buch war das literarische Debüt einer Achtzigjährigen. Sigrid Löffler hat es damals partout nicht besprechen wollen; wie halt so die Wienerinnen zueinander sein können. Geschadet hat’s nicht; Julia Kospach (Wien) Karl-Markus Gauß (Salzburg) und andere haben »Schwalbenschrift« dafür umso öfter empfohlen.

7. Wenn wir noch Urlaub ansteuern, dann in Paris, Place St. Sulpice. An drei Tagen im Oktober 1974 hatte sich dort Georges Perec niedergelassen und aufgeschrieben, was er sah. Wir bringen diese parisische Trouvaille im Herbst in der Übersetzung von Tobias Scheffel: »Versuch, einen Platz in Paris zu erfassen.«

Lesen wir weiterhin anmutend gedruckte Bücher? Und bestellen womöglich für den Sommer, falls er kommt, eines unserer lieferbaren?

Freundlich grüßen die Verlegerei und Ihr
Ekkehard Faude

*) »Den eigenen Namen auf irgendein Werk zu setzen, sichert niemand das Anrecht auf Erinnerung, denn wer weiß, ob nicht gerade die besten spurlos verschwunden sind. Der Mohnsamen geht überall auf, und wenn an einem Sommertag unversehens das Elend wie Schnee über uns kommt, wünschen wir nurmehr, vergessen zu werden.« (W.G. Sebald, Die Ringe des Saturn)

Wir drucken also die Erzählungen der jungen Nelly Dix, die in einer Zeit schrieb, als Rudolf Hagelstange und Hans Habe hochberühmt waren … )

Libelle Verlag
Ekkehard Faude | Elisabeth Tschiemer
Sternengarten 6
8574 Lengwil

Telefon: +41 (0)71 688 35 55
Telefax: +41 (0)71 688 35 65
www.libelle.ch

Renzo Spotti

Berlin scheint derzeit das New York Europas zu sein, wohin es viele Künstler und Glücksritter zieht. Dort sucht auch ein Schriftsteller – der Protagonist in «Sowohlalsauch» – Inspiration für seine Arbeit, welche ihm in Zürich verwehrt bleibt. In seiner Heimat plagen ihn nur lästige Pflichten.

Mein Sowohlalsauch. Eine EnervierungAber auch in der Spree-Metropole kommt des Künstlers leicht reizbares und mimosenhaftes Gemüt kaum zur Ruhe. Dem Geistesmenschen quälen etwa quengelnde Kinder, und sowieso umgeben ihn nur egozentrische Profilneurotiker, die mit ihrem ewigen Gelabber allen nur Zeit und Luft stehlen. Zur Zerstreuung zieht sich der Schriftsteller in sein Berliner Lieblingslokal «Sowohlalsauch» zurück. Oder er sitzt zuhause vor seiner «Hermes Baby». Einzig Glenn Goulds Interpretation der «Goldberg-Variationen» kann sein misanthropisches Unbehagen zeitweilig zügeln – ebenso die Bücher von Thomas Bernhard.

Der in Zürich geborene Jazzmusiker Renzo Spotti (*1973) legt mit seinem Erstlingswerk eine lodernde Flammenschrift vor – mit einer Wut im Bauch wie ein befreiendes Free Jazz-Solo, mit sperrigen Satzschlaufen, welche dann manchmal doch etwas zu sehr an die grossen Monologe eines Thomas Bernhards anklingen.

Michael Heisch

Renzo Spotti: «Mein Sowohlalsauch. Eine Enervierung». Verlag Periplaneta, Berlin 2009. 168 S., Fr. 26.50.

Peter Heisch, Worthülsenfrüchte

Peter Heisch (*1935) ist in der südbadischen Ortenau aufgewachsen und lebt seit über 50 Jahren in Schaffhausen, wo er bis zu seiner Pensionierung als Chefkorrektor bei den «Schaffhauser Nachrichten» tätig war.

Anders als Bastian Sick, der mit den «Zwiebelfisch»-Kolumnen auf «Spiegel Online» und seinen Bestsellern bekannt wurde («Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod»), sind Heischs Sprachglossen eher unter den Lesern der «Schaffhauser Nachrichten» bekannt.

WorthuelsenfruechteNun hat der Schweizerische Verein für die Deutsche Sprache (SVDS) Heischs «Worthülsenfrüchte» herausgegeben. Sie zu kosten macht Spass – denn sie sind leicht bekömmlich, dem Autor sind schulmeisterliches Verhalten gänzlich unbekannt.

Kein Purist zwar, aber dennoch ein sensibler Sprachliebhaber und präziser «Wort-Aufspürer». Im Klappentext heisst es, dass die Sprache «einem ständigen Wandel unterworfen ist». Heisch rückt in seinen Sprachbetrachtungen falsche Metaphern ins rechte Licht, zeigt grammatikalische Fehler auf und geht unbedarften Redensarten auf den Grund. Oft greift er dabei auf interessante philosophische und sprachhistorische Belange zurück.

Peter Heisch Worthülsenfrüchte, 83 Sprachbetrachtungen, Hg.
Schweizerischer Verein für Deutsche Sprache, Friedrich Reinhardt Verlag,
Basel, 2009 Seiten, 26 Euro.