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Deutsche Musikgeschichte
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Mittelalter
Kirchenmusik: die Musik war ein wichtiger Teil des christlichen
Gottesdienstes. Die tägliche Liturgie schloß zahlreiche Lieder
ein, alle in dem Stil des Gregorianischen Chorals. Die Kirche
war der wichtigste Patron der Künste; fast alle Komponisten des
Mittelalters, außer den Minnesängern, wurden von der Kirche
unterstützt. Kirchenmusik wurde ausschließlich auf Latein
gesungen.
Minnesang: An den großen Höfen in Frankreich, Italien,
und zum Teil in Deutschland hat sich der Minnesang entwickelt, besonders
nach 1200. Die Minnesänger (oder Troubadours in Frankreich) spielten
eine wichtige Rolle im Hofleben, und ihre Musik wurde in der Hofsprache
(nicht Latein) geschrieben.
Notensatz: die Musik in dem frühen Mittelalter hatte kein
System für Notensatz. Erst im 9. Jahrhundert begann eine Standardisierung
des Notensatzes, und das vor allem in den großen Klöstern
und Kirchen.
Stil: Monophonie und Polyphonie / Harmonie. Ein einfaches monophonisches
Lied hatte oft eine Begleitung durch Trommeln oder Dröhnen. Die
Entwicklung eines polyphonischen Stils war ein Merkmal der Kirchenmusik
ab 900, und war im hohen Mittelalter (1200-1400) sehr häufig. Manchmal
wurde sogar in mehreren Sprachen gleichzeitig gesungen. Die Harmonie
wurde durch offene Fünftel und durch Oktaven formiert. Zu modernen
Ohren kann die Musik daher überraschend dissonant klingen.
Hildegard von Bingen (1098-1179)
Hildegard von Bingen wurde im Jahre 1098 in Bermersheim bei Alzey
geboren. Sie war Benediktinerin und wurde 1136 Äbtissin. Neben
vielen anderen Tätigkeiten komponierte und dichtete sie auch.
Sie verfaßte eine Reihe geistlicher Werke, wie etwa ein Kyrie,
Antiphonen, Responsorien sowie Hymnen und Sequenzen. Hildegard von
Bingen starb am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen.
Beispiel: Virgissima Virga
Walter von der Vogelweide (1170-1230)
Wie bei fast allen Persönlichkeiten des Mittelalters sind auch
bei Walther von der Vogelweide die Lebensdaten unklar. Sein Geburtsdatum
wird im Allgemeinen auf die Zeit um 1170 eingegrenzt, sein Todestag
um 1230 vermutet. Wie Walther in einem seiner Texte selbst angab,
schrieb er vierzig Jahre als Minnesänger.
Sein Oeuvre umfasst höfische Minnelyrik - zu Anfang noch stark
beeinflusst von Reinmar - sowie Naturlyrik, Mädchenlieder und
die von ihm in deutscher Sprache neu eingeführten politischen
Sangsprüche. Außerdem finden sich traditionelle Lob-, Lehr-,
Bitt- und Scheltsprüche. Walther genoss demnach schon bei zeitgenössischen
Dichtern großes Ansehen, und sein guter Ruf hielt sich über
seinen Tod hinaus bis in die heutige Zeit.
Beispiel: Unter der Linden
Renaissance
Zunehmendes Interesse für die Künste vonseiten der Bürger
und Hofleute. Die Musik war nicht mehr eine exklusiv für die
Kirche bedachte Kunst, sondern war auch für den normalen Bürger
ein Teil des Lebens. Mit dem Anfang der Druckkunst wurde auch
der Zugang an Musik leichter.
Entwicklung eines europäischen Kulturleben und eines internationalen
Stiles. Viele Musiker reisten von Deutschland nach Frankreich, Italien,
England und Spanien und lernten in fremden Ländern neue Stile und
Werke kennen. Sakrale Musik war immer noch wichtig: in der Kirche
wurden Formen wie das Motet und die Messe noch ausgearbeitet. Auch aber
kam die weltliche Musik zu der Szene, in Formen wie das italienische
Madrigal und das französische Chanson.
Stil: sehr häufig waren Chöre aus vier Stimmen, oder
Gruppen aus vier Instrumenten. Der Rhythmus wurde sanfter und fliessender,
die Harmonik wurde jetzt aus vollen Triaden geformt. Überreichende
Strukturen wie die sinfonische Form (ABA oder Vers-Refrain-Vers)
wurden langsam zur Norm.
Michael Praetorius (1571-1621)
Praetorius wurde am 15. Februar 1571 (oder 1572) in Creuzburg an
der Werra in Thüringen geboren. Ab 1589 stand er in Diensten
des Bischofs Heinrich Julius von Halberstadt, des späteren Herzogs
von Braunschweig und Lüneburg, dem er 1594 nach Wolfenbüttel
folgte, wo er es vom Kammerorganisten zum Hofkapellmeister brachte.
Er starb in Wolfenbüttel am 15. Februar 1621. Michael Praetorius
hinterließ ein Werk von riesiegem Umfang, darunter das neunbändige
"Musae Sioniae" mit über 1200 Gesängen. Neben Motetten im
venezianischen Stil, geistlichen Konzerten, Bicinien, Psalmen, weltlichen
Liedern, Orgelsätzen und Tänzen sind vor allem seine geistlichen
Lieder, darunter das berühmte "Es ist ein Ros entsprungen", zu
nennen.
Beispiel: Es ist ein Ros entsprungen
Barock
Zeit der Experimentation und Entwicklung von Normen. Die Komponisten
dieser Periode versuchten das Publikum emotional zu bewegen, oder einen spektakulären Effekt zu erzeugen. Die Musik spielte noch
am Hof und in der Kirche eine wesentliche Rolle, aber auch in den oberen
Ständen der Bürger und Kaufleute war die Musik sowohl als
Unterhaltung und als Erziehung gesehen. Nationale Stile haben sich langsam
entwickelt; die Frage der Superiorität eines Stiles wurde häufig
bestritten.
Neue Instrumente (besonders Blasinstrumente wie Trompeten, Flöten,
und Hörner) wurden entwickelt. Die Violine aber behielt ihren vordersten
Platz in fast alle Gruppierungen. Neue instrumentalische Formen, wie
das Konzert und die Sonata, wurden akzeptiert. Auch in der Vokalmusik
dienten Instrumente nicht nur als Begleitung, sondern hatten ihren eigenen
Platz. Die Oper als musikalische Unterhaltungsform war in den
Städten sehr beliebt.
Stil: der Kontrapunkt erreichte seinen Höhepunkt. Die Melodien
waren oft dramatisch und verziert; Instrumenten und Stimmen wurden frei
gemischt.
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Der Komponist Johann Sebastian Bach wurde am 21. März 1685 in
Eisenach geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern wurde er musikalisch
unterrichtet von seinem älteren Bruder Johann Christoph, einem
Organisten. 1723 wurde er zum Thomaskantor nach Leipzig berufen.
Bis zu seinem Tode war er dort als Lehrer an der Schule St. Thomae
und als Musikdirektor der Kirchen tätig. Bachs kompositorisches
Schaffen umfasst Kirchenkantaten, Motetten und Passionen, darunter
die 'Johannespassion' und die 'Matthäuspassion', außerdem
Instrumentalwerke wie 'Sechs Brandenburgische Konzerte', 'Das Wohltemperierte
Klavier' und 'Die Kunst der Fuge'. Johann Sebastian Bach starb am
28. Juli 1750 in Leipzig.
Beispiel: Branderburgisches Konzert Nr. 3 in G-dur, 1. Satz
Tokkata und Fuge in D-moll
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Der Komponist Georg Friedrich Händel wurde am 23. Februar 1685
in Halle an der Saale geboren. Nachdem er zunächst ein Jurastudium
begann, widmete er sich bald ganz der Musik und wurde Organist an
der Dom- und Schloßkirche. Die Folgezeit verbrachte er abwechselnd
in und in London und Hannover, wohin er 1710 zum Hofkapellmeister
berufen wurde. In England feierte er mit seinen Kompositionen so große
Erfolge, daß 1727 ihm das englische Bürgerrecht verliehen
wurde. Händels kompositorisches Schaffen umfasst über vierzig
italienische Opern, daneben zahlreiche Oratorien und Instrumentalwerke.
Händel starb am 14. April 1759 in London.
Beispiel: For Unto Us A Child Is Born aus The Messia
Klassik
Der idealisierte Begriff »natürlich« war ein
Leitgedanke dieser Periode. Mit der besseren wirtschaftlichen Lage konnten
viele Bürger sich für Musik interessieren, und sogar ihre eigene Musik machen. Gegen die Verziertheit und Künstlichkeit
des Barocks kam in der Klassik eine neue Einfachheit an die Vorderseite.
Stil: schlichter und einfacher. Melodie und Harmonie waren die Norm,
der Kontrapunkt war nicht mehr beliebt. Klassische Strukturen sind balanciert
und symmetrisch (ABA oder Frage-Antwort). Das Klavier wurde zum wichtigsten Soloinstrument, teils wegen seiner dynamischen
Fähigkeiten und teils weil die Bürger sich ein Klavier leisten
konnten.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in
Salzburg geboren. Wolfgang begann als Dreijähriger Klavier zu
spielen und begab sich bereits mit sechs Jahren auf Konzertreisen
nach München und Wien. Nach 1773 nahm er in Salzburg die Stellen
als Hoforganist und Kaiserlicher Kammerkomponist an. Mozarts kompositorisches
Schaffen umfasst mehr als 600 Werke, unter anderem 'Figaros Hochzeit',
'Don Giovanni' und 'Die Zauberflöte'. Mozart starb verarmt in
Wien am 5. Dezember 1791.
Beispiel: "Giovinette, che fate allamore" aus Don
Giovanni
"Dies Irae" aus dem Requiem
Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Der Komponist und Pianist Ludwig van Beethoven wurde am 17. Dezember
1770 in Bonn getauft. 1795 trat Beethoven erstmals als Pianist mit
eigenen Kompositionen auf. Zur gleichen Zeit etwa begann ein starkes
Hörleiden, das sich bis 1819 zu völliger Taubheit entwickelte.
Dennoch war Beethoven bis zu seinem Tode als Pianist und Komponist
tätig. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Orchesterwerke,
Konzerte, Kammermusik, Vokalmusik sowie Werke für Klavier. Beethoven
starb am 26. März 1827 in Wien.
Beispiel: Sinfonie Nr. 5, erster Satz
Sinfonie Nr. 9, vierter Satz ("Ode an die Freude")
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy wurde am 3. Februar 1809
in Hamburg geboren. Im Alter von neun Jahren trat er zum ersten Mal
öffentlich auf. 1833 wurde er Musikdirektor in Düsseldorf,
1835 Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Sein kompositorisches Schaffen
umfaßt Konzerte, Vokal-, Orchester-, Kammermusik- und Klaviermusikwerke
sowie fünf Sinfonien. Mendelssohn starb am 4. November 1847 in
Leipzig.
Beispiel: "Hochzeitsmarsche" aus Einem Sommernachtstraum
Romantik
Die Natur: romantische Künstler sahen die Natur nicht mehr
als perfekte Welt, sondern als Quelle für gute und böse Kräfte.
Oft interessierten sich romantische Künstler für das Phantastische oder Übernatürliche.
Die Musik wurde zur erzählerischen Form: durch programmatische
Musik erzählte der Komponist eine Geschichte oder drückte
seine Gedanken aus. Nationale Unterschiede wurden gepriesen, auch haben
viele Künstler nationale oder patriotische Kunstwerke geschaffen.
Auch dienten Volkslieder und andere ethnische Musikformen als
Quelle für viele musikalische Werke.
Höfe und Edelleute waren nicht mehr in der Lage, Patrone für
Musiker zu sein, daher mußten die Musiker sich auf die bürgerliche
Öffentlichkeit verlassen. Neue Schulen und Akademien entwickelten
sich, und die Kirchen und Höfen verloren ihre Wichtigkeit für
die Erziehung von Musikern.
Stil: die Dynamik war wesentliches Element fast aller Kompositionen.
Die Melodien wurden länger und komplexer, und neue Instrumente
(wie das Klavier und die Klarinette) tragen zum vollen Tonklang bei.
Das Tempo änderte sich oft innerhalb eine Satzes, und Strukturen
wurden lockerer, freie Formen wurden bevorzugt.
Franz Schubert (1797-1828)
Der Komponist Franz Peter Schubert wurde am 31. Januar 1797 im österreichischen
Lichtenthal geboren. In den Jahren 1813 bis 1817 war er Gehilfe seines
Vaters in der Lichtenthaler Schule. Anschließend war er als
freier Künstler tätig und in den Sommermonaten als Musiklehrer
auf dem ungarischen Gut des Grafen Esterházy. Schuberts kompositorisches
Schaffen wird von der Symphonie h-moll (Die Unvollendete)
einerseits und dem riesigen Liedschaffen mit über 600 Werken
andererseits dominiert. Franz Schubert starb 31jährig an Typhus,
am 19. November 1828 in Wien.
Beispiel: "Die Forelle" und "Der Erlkönig"
Richard Wagner (1813-1883)
Der Komponist Wilhelm Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig
geboren. Im Alter von 18 Jahren begann er sein Musikstudium in Dresden.
1833 wurde Wagner Korrepititor in Würzburg. Später folgten
Stationen in Magdeburg, Königsberg, Dresden und München
als Hofkapellmeister. In Bayreuth legte Wagner den Grundstein für
das Festspielhaus, in dem 1876 die ersten Festspiele mit der Gesamtaufführung
des 'Ring des Nibelungen' stattfanden. Wagners Schaffen umfaßt
neben einigen Liedern, Orchester- und Chorwerken hauptsächlich
Opern, darunter neben dem 'Ring' 'Der fliegende Holländer', 'Tannhäuser',
'Lohengrin', 'Tristan und Isolde' und 'Die Meistersinger von Nürnberg'.
Richard Wagner starb am 13. Februar 1883 in Venedig.
Beispiel: "Die Walküre" und "Siegfried"
aus dem Ring der Nibelungen
20. Jahrhundert
Die Kluft zwischen »populäre« und »klassische« Musik wird extrem. Populäre Musikformen wie Jazz und Rock werden
zur Hauptmusik der Welt; »klassische« Musik wird eine Sache
für ausgebildete und akademische Menschen. Komponisten wollen sich
oft von der Vergangenheit wegziehen, oder sie wollen die Vergangenheit
aufgreifen und modernisieren.
Kenntnisse von anderen Kulturen bringen neue Formen und Klänge
zur westlichen Musik. Die neue Musik ist wie eine Weltmusik,
die Elemente aus verschiedenen Kulturen frei zusammenbringt.
Stil: alle Stile sind möglich. Formen können festgeschlossen
sein, oder so frei, dass sie fast unerkennbar sind. Alle harmonischen
Kombinationen sind möglich. Neue Technologien (wie Elektrizität
und Aufnahmetechnik) bringen neue Klänge und Töne in die Musik.
Carl Orff (1885-1982)
Der Komponist Carl Orff wurde am 10. Juli 1895 in München geboren.
Ab 1915 war er zunächst in seiner Heimatstadt Kapellmeister,
später in Mannheim und Darmstadt. 1930 bis 1933 war er als Dirigent
des Münchener Bachvereins tätig. 1961 wurde er Leiter des
im gleichen Jahr gegründeten 'Orff-Instituts' in Salzburg. Orffs
kompositorisches Schaffen umfasst Kantaten, Lamenti, Orchester- und
Bühnenwerke, darunter 'Carmina Burana', 'Ein Sommernachtstraum'
und 'Die Bernauerin'. Carl Orff starb am 29. März 1982 in München.
Beispiel: "O Fortuna" aus dem Carmina Burana
Arnold Schönberg (1874-1951)
Der Komponist Arnold Schönberg wurde am 13. September 1874 in
Wien geboren. Von 1901 bis 1903 war er als Kapellmeister in Berlin
engagiert. Anschließend arbeitete er abwechselnd in Berlin und
Wien als Lehrer, bevor er 1925 eine Professur an der Berliner Hochschule
für Musik annahm.
1933 emigrierte er über Paris in die USA, wo er bis 1944 Lehrer
an der University of Southern California war. Schönberg gilt
als Begründer der Neuen Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Sein kompositorisches Schaffen umfaßt Konzerte, Bühnen-,
Orchester-, Kammermusik-, Klaviermusik- und Vokalwerke. Schönberg
starb am 13. Juli 1951 in Los Angeles.
Beispiel: Auszug aus Pierrot Lunaire
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