Russische Musik

(Musikinformationen der russischen Botschaft D)

Die russische Musik reicht in ferne Vergangenheit zurück. Ihre Quellen sind schon im heidnischen Brauchtum der Ostslawen erkennbar. Nach der Annahme des Christentums entwickelte sich kirchliche Musik. Ursprünglich aus Byzanz gekommen, gewann sie schnell nationale russische Merkmale, und schon im 11. Jahrhundert bildete sich ein besonderer Typ des orthodoxen Kirchengesangs, der sogenannte Snamenny raspew (Zeichengesang) heraus. Im 16.-17. Jahrhundert verbreitete sich das lyrische Volkslied.

Ende des 18. Jahrhunderts entstand die russische Komponistenschule. Ihren Ursprung verdankt sie den Opernkomponisten Wassili Paschkewitsch (um 1742-1797), Jewstignej Fomin (1761-1800), Alexej Werstowski (1799-1862) sowie Dmitri Bortnjanski (1751-1825) und Maxim Beresowski (1745-1777), die das Genre des russischen Chorkonzertes geschaffen haben. Eine grundsätzlich neue Entwicklungsetappe der russischen Musik verknüpfen wir mit dem Namen von Michail Glinka (1804-1857), Begründer der nationalen klassischen Musik. Seine Werke bestimmten die weltweite Bedeutung der heimischen Musikkunst.

Die Opern von Glinka "Das Leben für den Zaren" ("Iwan Sussanin") und "Ruslan und Ljudmila" leiteten zwei Richtungen der russischen Opernklassik ein: die des heroischen musikalischen Volksdramas und die der Märchenoper. Seine sinfonischen Werke, darunter die geniale "Kamarinskaja", schufen die Grundlagen der russischen Sinfonik. Glinka beeinflu§te auch das Werden der urwüchsigen russischen Gesangsschule. Sein Schaffen verlieh der Entwicklung der nationalen Musikkultur möchtige Impulse, alle hervorragenden russischen Komponisten betrachteten sich als seine Erben.

Die Begegnung mit Glinka hatte entscheidende Bedeutung für das Schicksal von Alexander Dargomyshski (1813-1869), der zum unmittelbaren Fortführer des Werks des ersten russischen Musikklassikers wurde. Dargomyshski entwickelte die Schaffensprinzipien seines Vorgängers und erweiterte den Genrebereich der Oper. Mit seiner "Russalka" behauptete er den Typ des psychologischen Operndramas, im "Steinernen Gast" stellte er eine absolut neue Aufgabe und verfa§te zum erstenmal ein Opernwerk zu dem fast unveränderten Text von Puschkin. Viele seiner Romanzen und Lieder sind in die Schatzkammer der russischen Vokalmusik eingegangen.

In den 50er-60er Jahren des 19. Jahrhunderts haben sich mehrere prägnante Musikschaffende hervorgetan, unter ihnen die Brüder Anton (1829-1894) und Nikolai (1835-1881) Rubinstein. Sie gründeten die Russische Musikgesellschaft (1859), die sich die "Entwicklung der musikalischen Ausbildung und des Geschmacks an Musik" zum Ziel setzte, sowie die beiden ersten russischen Konservatorien: das Petersburger (1862) und das Moskauer (1866). Anton Rubinstein ist auch als Komponist in die Geschichte eingegangen (sein populärstes Werk ist die Oper "Der Dämon").

In denselben Jahren entstand in Petersburg eine Musikergemeinschaft, die als "neue russische Musikschule" oder als "Mächtiges Häuflein" bekannt ist. Der Begründer dieser Gemeinschaft war Mili Balakirew (1836-1910), zu ihr gehörten auch Alexander Borodin (1833-1887), Cesar Cui (1835-1918), Modest Mussorgski (1839-1881) und Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908). Der Gemeinschaft schlo§ sich eng der Musik- und Kunstkritiker Wladimir Stassow (1824-1906) an.

Die Komponisten des "Mächtigen Häufleins" bereicherten die Musikkultur der Welt um viele hervorragende Werke. Darunter die historischen Opern "Boris Godunow" und "Chowanstschina" von Mussorgski, "Fürst Igor" von Borodin, "Das Mädchen von Pskow" von Rimski-Korsakow, seine Märchenopern "Schneeflöckchen", "Sadko", "Das goldene Hähnchen", "Die Mainacht" und "Die Nacht vor den Weihnachten", die gro§artigen Orchesterstücke:

"Scheherazade" von Rimski-Korsakow und die "Nacht auf dem Kahlen Berge" von Mussorgski, sein Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" sowie schöne Romanzen.

Die Komponisten des "Mächtigen Häufleins" vereinigte das Streben, die nationale Richtung in der russischen Musik zu entwickeln. Sie trugen auch Sorge um den demokratischen Charakter der Musik, um ihre echte Volkstümlichkeit und ma§en dem russischen Lied und der Folklore gro§e Bedeutung bei. Einen anderen Aspekt ihrer Tätigkeit bildete die Unentgeltliche Musikschule, die erfolgreich von 1862 bis 1917 funktionierte.

In Moskau kam zu gleicher Zeit das Genie von Pjotr Tschaikowski (1840-1893) zur Geltung. Der musikalische Nachla§ dieses Komponisten, der schöne Werke aller Genres geschaffen hat, ist sehr umfangreich. Sein ganzes Schaffen ist durch einen besonden Stil gekennzeichnet, den der Musiker selbst treffend definierte: "Ich bin vorwiegend Lyriker". Lyrische Motive lassen sich in seinen verschiedenen Werken spüren, angefangen von der Märchen- und Gebrauchsmusik bis zur heroisch-tragischen.

Tschaikowski war ein genialer Sinfoniker, der danach strebte, musikalische Gestalten in ihrer Dynamik, in dem ununterbrochenen inneren Wachstum und der Erneuerung zu erschlie§en. Am bekanntesten sind unter seinen Werken: die Ballette "Schwanensee", "Dornröschen" und "Der Nu§knacker", die Opern "Eugen Onegin", "Pique Dame" und "Jolanthe", die Vierte, die Fünfte und die Sechste Sinfonie, die sinfonischen Ouvertüren "Romeo und Julia" und "Francesca da Rimini", die Konzerte für Klavier und Orchester sowie für Violine und Orchester, der lyrische Klavierzyklus "Die Jahreszeiten" und Romanzen.

Sergej Tanejew (1856-1915), ein Schüler von Tschaikowski im Moskauer Konservatorium, ist in die Geschichte eingegangen nicht nur als Komponist, Verfasser der Oper "Orestie", der Chorgesangswerke "Johannes von Damaskus" und "Nach dem Lesen eines Psalms" sowie von vier Sinfonien, sondern auch als ein herausragender Musikwissenschaftler, Pianist, Dirigent und Pädagoge, dessen Schüler Skrjabin und Rachmaninow waren.

Alexander Skriabin (1872 - 1915), ein gro§er Komponist und Experimentator, träumte von der Schaffung eines "Mysteriums", in dem verschiedene Kunstarten: Musik, Poesie, Tanz und Architektur zu einem Ganzen verschmelzen sollten. (Leider konnte der Komponist nur Entwürfe zum "Vorspiel" verfassen.) Im Bestreben, Musik und Farbe zu einem einheitlichen Ganzen zu vereinigen, führte er in die Partitur seines Poems "Promethee"("Le poeme du feu") die Lichtklaviatur ein. Zu den am öftesten gespielten Werken von Skrjabin gehören: "Le poeme de l'extase" und die Dritte Sinfonie "Le divin Poeme", Klaviersonaten und das Poem "Vers la flamme".

Sergej Rachmaninow (1873-1943) teilte das Los Jener russischen Künstler, deren Leben durch den Sturm der russischen Revolutionen aufgewühlt worden war. Nach 1917 verlie§ er Ru§land, das er leidenschaftlich geliebt hatte und nach dem er sich sein ganzes Leben lang sehnte. Seine Musik blieb bis zur letzen Note durch und durch national. Seine Klavierkonzerte, die "Rhapsodie über ein Paganini-Thema" und "Sinfonische Tänze" sind durch lyrische Gesangsintonationen durchdrungen. Seine Oper "Aleko", "Die Nachtwache" und Romanzen sind auch heute noch beim Publikum beliebt.

Igor Strawinsky (1882-1971), ein Schüler von Rimski-Korsakow, hatte Ru§land 1914 verlassen, vermochte es, sich den neuen Bedingungen anzupassen und verschiedene Kunststile zu meistern (von der Dodekaphonie bis zum Neoklassizismus). Den organischsten und originellsten Teil seines schöpferischen Nachlasses bilden jedoch Werke, die mit der russischen Kultur verbunden sind. Dazu gehören:

Die Ballette "Der Feuervogel", "Petruschka" und "Le Sacre du Printemps", die Oper "Mavra", "Les Noces, russische Tanzszenen mit Gesang", "Die Geschichte vom fahnenflüchtigen Soldaten und dem Teufel, die gelesen, gespielt und getanzt wird".

Die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts kennzeichneten sich durch das Erscheinen von zwei genialen und sehr unterschiedlichen Komponisten in Ru§land: Sergej Prokofiew (1891-1953) und Dmitri Schostakowitsch (1906-1975). Diese kühnen Neuerer schienen die Grundpfeiler der klassischen Kunst zu zerstören, standen aber fest auf dem nationalen Boden.

Sergej Prokofiew wurde durch seine Klavierstücke "Flüchtige Visionen" und "Sarkasmen", das Ballett "Das Märchen vom Schuf und die erste "Klassische" Sinfonie bekannt. Er hatte fast anderthalb Jahrzehnte im Ausland verbracht und kehrte 1934 in die Heimat zurück. Hier schuf er seine bedeutsamsten Werke: die Ballette "Romeo und Julia" und "Aschenbrödel", die Opern "Die Verlobung im Kloster" und "Krieg und Frieden", die Fünfte, die Sechste und die Siebente Sinfonie.

Dmitri Schostakowitsch lebte sein ganzes Leben lang in Ru§land. Er war seinerzeit von den Machtorganen Verfolgungen ausgesetzt, die seine Werke als "ein Durcheinander anstelle der Musik" bezeichneten, erlebte in den 60er und 70er Jahren die öffentliche Anerkennung seines Schaffens. Schostakowitsch ist in die Geschichte vor allem als Sinfoniker eingegangen, der die europäische Tradition von Beethoven, Tschaikowski und Mahler fortgesetzt hatte. Er hat 15 Sinfonien, 15 Quartette, Klavierstücke sowie Musik für Theater und Film verfa§t.

Ein bedeutsamer Sinfoniker war auch Nikolai Mjaskowski (1881-1950), der 27 Sinfonien sowie 13 Quartette und Klavierstücke schuf. Einen würdigen Platz nimmt in der Musik des 20. Jahrhunderts auch das Schaffen von Aram Chatschaturjan (1903-1978) ein. In seinen rhythmisch impulsiven Werken verband er das tonale System der europäischen Musik mit orientalischen Tonarten. Chatschaturjan komponierte 3 Sinfonien, Klavier-, Violin- und Cellokonzerte sowie die Ballette "Gajaneh" und "Spartakus".

Das Panorama des zeitgenössischen kompositorischen Schaffens ist sehr mannigfaltig. In den 50er Jahren entstanden in der russischen Musik neue stilistische Tendenzen, die klassische Traditionen negieren. Die prägnantesten Vertreter dieser Avantgarde-Strömung sind Edisson Denissow (1929-1996), Sofja Gubaidullina (1931) und Alfred Schnitke (1934).

Im theatralischen Bereich hat sich Rodion Stschedrin (1931) hervorgetan. Von ihm stammen die Opern "Die Liebe ist nicht allein" und "Tote Seelen" sowie die Ballette "Das bucklige Pferdchen", "Carmen-Suite", "Anna Karenina", "Die Möwe" und "Die Dame mit dem Hündchen".

Die Hauptlinie der russischen klassischen Musik vertritt heute würdig das Schaffen von Georgi Swiridow (1915-1998), Valeri Gawrilin (1939), Boris Tschaikowski (1925- 1996) und Metschislaw Weinberg

(1919-1996). Dabei überwiegen bei Swiridow und Gawrilin Chorgesangswerke, Tschaikowski und Weinberg sind aber die Fortsetzer der Traditionen der russischen Sinfonik und Kammermusik. Die Werke dieser Komponisten weisen alle Hauptvorzüge der russischen musikalischen Klassik auf. Kennzeichnend ist dabei, da§ in ihrem Schaffen die Lyrik und die polyphonische Denkweise mit mächtigen, vom staatsbürgerlichen Bewu§tsein geprägten Grundsätzen ergänzt wird, ohne die der Weg der russischen Musik undenkbar ist.


Russische Musik

World Festival Of Sacred Music Europe (Double-CD)
ENSEMBLE OPUS POSTH.-Tatiana Grindenko. "Night In Galicia”
HULU PROJECT feat. STEPANIDA "TranceSiberia“
ENSEMBLE OPUS POSTH.-Tatiana Grindenko "Come In!“
MIKHAIL CHEKALIN "Last Seasons“
ANNA MAILIAN ”Treasures Of Light“
Ensemble OPUS POSTH. Tatiana Grindenko "The Seven Last Words...“-Josepf Haydn
www.ccnc.de

 

© Copyright siehe:
www.russische-botschaft.de

 

DruckversionDruckversion
zum Seitenanfang nach oben

Sponsored by