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von Hubl Greiner
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Hier stelle ich interessante Menschen und Projekte vor – die Themen: Musik, Film, Fotografie, Reisen, Kunst, Literatur, Theater, Soziales, Humanes und alles was sonst noch irgendwie spannend oder erwähnenswert finde. Ebenso findet Ihr einen Fotoblog mit Fotos von mir. Viel Spaß beim Stöbern! Hubl Greiner


Schonungsloser Witz

04.08.2010 by Hubl55 Category Beiträge von Michael Heisch

Unendlich viele Sterne zieren den Umschlag des Comic-Bandes «Der Sinn». Grosse und kleine Punkte – verstreut auf schwarzem Grund liegen sie da, blinken und glitzern, eine ideale Einstimmung für die darauf folgenden Inhaltsseiten. Der Leser taucht in einen schwarz-weiss gezeichneten Bildergeschichten-Kosmos ein, in dem er sich vermutlich streckenweise verlieren, aber eine ebenso überraschende Entdeckungsreise antreten wird. Lost in space – denn die frei schwebenden Geschichten zielen selten auf Erkenntnisschwere ab, breiten indes umso mehr anregend neue Gedanken aus, in die man sich nur allzu gerne verliert.

Andy FischliMan ahnt es schon – «Der Sinn» des Zürcher Zeichners Andy Fischli ist natürlich kein Ratgeberbuch, mit Sprechblasen angereichert und allerhand Anleitungen zur sinnfrohen Glücksfindung. Oder wäre etwa sonst dem literarischen Dauer-Melancholiker Hamlet eine umfangreiche Geschichte beschieden? Hamlet ist, wenn man so will, ein gelungenes Beispiel eines «Recaps» wie sie auf Internet-Foren sehr beliebt sind: Der Zeichner/Autor fasst seine persönliche Sichtweise des Inhalts ironisch-witzig zusammen. Kein abgeleiertes Themen-Recycling, sondern ein mit bissigen Kommentaren versehenes Nacherzählen, wobei Fischlis Hamlet letztlich keine Worte mehr braucht und lediglich in der Synopsis das Wichtigste festgehalten ist. Das Shakespear’sche Welttheater rückt damit als gezeichnetes Figurenkabinett kraftvoller in den Vordergrund.

Ein grimmiger Tod sitzt an einem Empfangstisch jenseits des Jordans und wartet auf all diejenigen, die den Löffel abgeben müssen. Auch eine Selbstmörderin steht an, wird aber vom Sensemann jäh zurück gewiesen, da sie nur einen Schuhlöffel mit sich trägt. Das ist vielleicht Andy Fischlis grösste Stärke: sprachliche Bilder und Redensarten mit klarem Strich und ohne viel Aufhebens zu ungewöhnlichen Geschichten formen, was manchmal anspruchsvoll bis ungemein anstrengend sein kann. Fischlis Bildergeschichten – mal philosophisch, meist komisch und in den meisten Fällen mit einem schonungslosen Witz versehen – entlarven das Innenleben des modernen Menschen; schon alleine dafür steht seine Arbeit unter einem guten Stern. Michael Heisch

Andy Fischli, «Der Sinn», Picaverlag, 140 Seiten, 32 Franken.

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